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Promotion finanzieren: Diese Möglichkeiten gibt es für uns!

Dass man während einer Doktorarbeit nicht gerade in Saus und Braus lebt, das wissen die Meisten. Wieviel man aber tatsächlich so verdient und vorallem wo man den Lebensunterhalt letztendlich herbekommt, darüber herrscht oft noch Unsicherheit. Dabei gibt es für uns Doktoranden viele verschiedene Möglichkeiten, wie wir unsere Promotion finanzieren können. Mit wie viel Geld man aber Abends nach Hause geht kann stark variieren. Ich habe euch mal ein paar der klassichen Geldquellen aufgelistet mit meinen ungefähren Einschätzungen wieviel Geld dabei monatlich für euch herausspringt.

Aber aufgepasst: An deiner Geldquelle hängt oft noch ein ganz schöner Rattenschwanz was Sozialabgabgen, Versicherungen und so weiter. Eine gründliche, eigene Recherche ist deshalb auf jeden Fall unerlässlich.

Stelle als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in

Ca. 950 – 1700 € Netto, Übernahme von Aufgaben am Lehrstuhl

Das ist die wahrscheinlich am meisten verbreitete Finanzierungsform unter Naturwissenschaftlern. Dabei wird man direkt über die Uni oder ggf. über ein Uni-Klinikum als wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt. In der Regel bekommt man dabei eine 50 – 65% Stelle, jenachdem wieviel Geld da ist. Nur in ganz seltenen Fällen gibt es Stellen mit 100% Gehalt. An eine solche Stelle kommt ihr über die Arbeitsgruppe, in der ihr promovieren wollt oder aber ihr bewerbt euch direkt auf eine Stellenausschreibung.

 

Nicht-Wissenschaftliche Tätigkeit

450 € Steuerfrei oder ~ 1500 € bei 25h/ Woche nichtwissenschaftlicher Arbeit

Die Tätigkeit, mit der man nebenher sein Geld verdient, muss natürlich nicht unbedingt wissenschaftlicher Natur sein. Grundsätzlich kann man seinen Lebensunterhalt mit jedem x-beliebigen Nebenjob verdienen, solange dieser sich mit der Forschung vereinbaren lässt. Dabei bedenken sollte man aber, dass Laborarbeit zeitintensiv ist und aus Sicherheitsgründen oft nur tagsüber in Anwesenheit von Kollegen ausgeführt werden darf. Um auf 1000 € netto zu kommen, braucht man aber einen Job der wenigstens 1500 € Brutto einbringt, mit 450 € ist es da nicht getan.

Wird der Nebenjob mit 15 € Brutto/ Stunde vergütetet, muss man immerhin noch 25h/ Woche arbeiten um auf 1500 € zu kommen. Diese Arbeitsbelastung sollte man auf keinen Fall unterschätzen, vor allem wenn die Arbeit abends oder nachts stattfindet.

Wie sinnvoll und stressig das im Einzelfall ist, lässt sich schwer sagen. Allerdings sollte man definitiv darauf achten, dass man noch genug Zeit hat, sich zu erholen.

 

Stipendium

1000 – 1700 €

Stipendien sind zurzeit relativ leicht zu bekommen und werden oft als das Nonplusultra gepriesen, wenn es um die Finanzierung einer wissenschaftlichen Arbeit geht. Ich persönlich sehe das etwas differenzierter. Oft gibt es nur relativ wenig Förderung (ca. 1050 – 1300 €), dafür fallen hohe Kosten an, wie z.B. für diverse Versicherungen, die man im Vorfeld oft nicht bedacht hat.

Gerne vergessen wird auch, dass ein Stipendium kein reguläres Gehalt ist und deshalb auch keinerlei Sozialabgaben an den Staat gehen. Bei einer anschließenden Arbeitslosigkeit gibt es dementsprechend auch kein Arbeitslosengeld. Auch wird nicht in die Rentenversicherung eingezahlt, wähernd gleichzeit die Promotionsjahre nicht als Teil des Studiums angerechnet werden. Da häufen sich die Nachteile doch ganz ordentlich…

Auf der Haben-Seite steht allerdings die ideelle Förderung durch die Stipendiengeber, die nicht unterschätzt werden sollte. Oft werden Weiterbildungen, Seminare, Konferenzen und Networking unterstützt und finanziert, von denen man auch im späteren Berufsleben profitiert.

www.stipendienlotse.de

www.mystipendium.de

Graduiertenkolleg/ Research School

1000 – 1400 €

Graduietenkollegs sind spezielle Forschungsprogramme der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die der Ausbildung von Wissenschaftlern dienen und  eine bestimmte wissenschaftliche Fragestellung bearbeiten. In der Regel kann man sich direkt über die eigenen Uni informieren, für welche Kollegs man sich bewerben kann. Da ein Graduiertenkolleg aber immer einen thematischen Schwerpunkt hat, kann man sich sein Thema nicht wirklich frei aussuchen. Ähnlich sind die Research Schools, die von den Max-Planck-Instituten oder vergleichbaren Forschungseinrichtungen angeboten werden.

Die Förderung durch ein Doktorandenkolleg oder eine Research School ist vergleichbar mit der eines Stipendiums und in der Regel zeitlich begrenzt.

www.dfg.de

Max Planck Research Schools

 

Bildungskredit

Da eine Promotion gerne auch mal länger dauern kann, als man zu Beginn veranschlagt hat, ist es gar nicht so leicht, einzuschätzen wieviel Geld man für die komplette Dauer benötigt. Ich würde aber generell niemandem empfehlen, weniger als 1000 € pro Monat zu kalkulieren und das ist schon wirklich die aller unterste Grenze. In einigen Regionen ist sicher weniger möglich, aber wenn die Lebensqualität zu sehr leidet, kann auch schnell die Motivation fürs eigene Projekt flöten gehen.

Damit wären wir schon bei einem Kredit von 42.000€ wenn man für die Dauer der Doktorarbeit 3,5 Jahre veranschlagt. Will man etwas größere Sprünge machen, können es auch schnell mal 60.000 € werden. Kredite gibt es auch nicht umsonst, hohe Zinsen werden bei der Rückzahlung fällig. Bei der KfW Bank, einer der bekanntesten Studienkreditgeberinnen, sind das z.B. 3,55 % effektiver Jahrezins. 42.000 € Kredit kosten mit diesem Zinssatz ca. 6000 €. Um diesen Kredit abzubezahlen muss man theoretisch 8 Jahre lang jeden Monat 500 € blechen. Ganz schön lang…

Zu beachten ist auch, das Bildungskredite, wie der von der KfW, oft nicht den gesamten Lebensunterhalt decken, sondern nur einen Teil. Am Beispiel der KfW wären das 100 – 650 € monatlich. Wer mehr will, muss oft auf einen normalen Kredit zurückgreifen und der wird dann nochmal teurer.

 

Industriepromotion

Ca. 2400 € netto/ Monat, Steuerklasse I

Industriepromotionen werden inzwischen nicht nur von der Automobilindustrie angeboten, sondern sind inzwischen auch für Naturwissenschaftler – der Pharmaindustrie sei Dank – eine Option geworden. Diese Stellen werden Vollzeit bezahlt und sind natürlich prima Türöffner in die Industrie. Die Übernahmerate liegt angeblich bei 80%. Trotzdem sind diese Stellen noch recht selten und dafür umso begehrter.

Ich selbst kenne niemanden, der in der Industrie promoviert hat. Liest man allerdings die Erfahrungsberichte im Internet, scheint die Arbeitsbelastung wirklich hoch zu sein. Kein Wunder, denn man hat ja einen Vollzeitjob und selbst wenn man 1 oder 2 Tage für die Forschung freigestellt wird, sollte man diese Doppelbelastung besser nicht unterschätzen. Dazu kommt, dass man oft sehr schlecht an die Uni und den Lehrstuhl angebunden ist.

 

Geld vom Staat

Promotionen gelten nicht als förderungsfähige Ausbildung nach dem Berufsausbildungsförderungsgesetz, den sie führen nicht zu einem berufsqualifizierendem Abschluss (den hat man ja zwangsläufig schon mit dem Master erhalten). Wenn man noch keine Finanzierung hat, aber schon anfangen möchte an der Dissertation zu arbeiten, hat man eventuell Anspruch auf Arbeitslosgengeld II, besser bekannt als Hartz IV. Allerdings muss man sich dann auch mit allen Schikanen und Sanktionen des Arbeitsamtes rumschlagen.

 

Privatkredit von Freunden/ Verwandten

Wäre persönlich meine unliebste Option, denn wer liegt schon gerne mit Ende Zwanzig/ Anfang Dreißig immer noch der Verwandtschaft auf der Tasche. Großer Vorteil ist hier allerdings, dass nur sehr niedrige (oder gar keine) zusätzlichen Kosten anfallen. Ein Darlehen von der Familie ist -zumindest finanziell- einem Bildugnskredit auf jeden Fall vorzuziehen. Nicht außer Acht lassen sollte man aber den sozialen Druck, der eventuell Entstehen kann, wenn das Forschugnsvorhaben nicht so läuft wie geplant oder sogar ein Abbruch in Erwägung gezogen wird.

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Letzendlich…

sollten immer mehrere Möglichkeiten in Betracht gezogen und realistisch geplant werden. Einen Lifestyle wie die Geissens wird man sowieso nicht führen können. Wer allerdings schon gearbeitet und ein volles Gehalt bezogen hat, der muss seinen Lebensstandard höchstwahrscheinlich wieder runterschrauben. Trotzdem kann man, wenn die studentische Lebensart noch ein Weilchen beibehält, ganz gut von 50% Stellen und Stipendiengeldern leben. Und unterm strich forschen wir ja aus Leidenschaft und nicht wegen dem lieben Geld. 😉

 

Die Frage ob sich der Doktortitel später durch ein höheres Gehalt auszahlt, versuche ich übrigens in diesem Artikel zu beantworten: Promotion – Ja oder Nein? Ein kleiner finanzieller Überblick

 

Wie finanziert ihr euch so und wieviel Geld habt ihr im Monat zur Verfügung?

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