Rente Pension Altersvorsorge Wissenschaftler Doktorand Doktorarbeit
SCIENCE

Altersvorsorge für Wissenschaftler – Warum du dich selber kümmern solltest und wie das geht!

Viele verlassen sich beim Thema Altersvorsorge immer noch zu 100% auf den Staat. Leider haben die Rentenreformen der letzten 20 Jahre dafür gesorgt, dass die Lücke zwischen staatlicher Rente und ehemaligem Gehalt bei den meisten Menschen inzwischen sehr weit auseinanderklafft.

Selbst ein Rentner, der 45 Jahr lang ununterbrochen gearbeitet hat bekommt bis zum Jahr 2030 laut Focus online nur 41% seines vorherigen Einkommens. Allerdings muss man so viele Berufsjahre überhaupt erst einmal schaffen.

Wenn man davon ausgeht, dass das Durchschnittsgehalt eines Akademikers bei 5400€ brutto liegt, wären das noch 2214€. Netto bleiben noch knapp 1220€. Diese 1220€ haben im Jahr 2030 aber natürlich nicht mehr die gleiche Kaufkraft wie heute. Geht man pro Jahr von 2% Inflationsrate aus, dann entspricht diese Summe heut ca. 962 € (Ihr könnte gerne selbst nachrechnen unter www.zinsen-berechnen.de).

 

Und nicht vergessen, wir reden hier immer noch vom Idealszenario, also von jemandem der 45 Jahr lang ununterbrochen gearbeitet hat. Ganz schön ernüchternd oder nicht?

 

Unsere Situation sieht dagegen noch prekärer aus, denn die wenigsten von uns werden auf so viele Rentenjahre kommen. Stattdessen werden wir spät in den Beruf einsteigen, viele befristete Verträge haben, möglicherweise werden wir uns mit halben Stellen über Wasser halten müssen und erst sehr spät überhaupt unbefristet und mit betrieblicher Altersvorsorge angestellt sein. Dies alles sind Gründe, warum gerade Wissenschaftler sich so früh wie möglich mit dem Thema Sparen und Geldanlage beschäftigen sollten.

Aber warum beschäftigen sich nur so wenige mit ihrer Altersvorsorge und oftmals auch erst dann, wenn es schon fast zu spät ist?

Altersvorsorge Sparen Wissenschaftler

Sparen ist schwierig und macht keinen Spass.

Wenn man monatlich nicht wirklich viel Geld zur Verfügung hat, kann Sparen richtig ätzend sein. Wir wollen schließlich nicht nur irgendwie über die Runden kommen, sondern uns auch ab und zu etwas gönnen und das Leben so gut es geht genießen.

Oft kommen dabei ganz schön viele Kleinigkeiten zusammen: Der Kaffee auf dem Weg zur Arbeit, das Convenience Abendessen aus dem Supermarkt, Restaurantbesuche, Shopping (online und offline), Gebühren für Abos wie Fitnessstudio, Musikflatrate, Netflix, hier und da mal ein Wochenendtrip oder Kinobesuch.

 

Viele dieser Dinge sind nicht lebensnotwendig, machen unseren Alltag aber leichter, besser, interessanter. Leider sind sie aber auch ganz schöne Geldfresser und sorgen dafür, dass wir am Monatsende gerade so auf Null hinauskommen. Im schlimmsten Fall landen wir sogar im Dispo.

 

Ich weiß aus eigenen Erfahrung, dass es nicht so leicht ist auf solche Kleinigkeiten zu verzichten. Trotzdem solltest du unbedingt deine Ausgaben überprüfen und auf Einsparpotenziale hin untersuchen.

Denn wenn wir mal ehrlich sind, kaufen wir uns schon ganz schön viele Sachen, die uns im Nachhinein dann doch nicht wirklich so viel Freude bereitet oder unser Leben so viel besser gemacht haben. Und am Ende einer ordentlichen Finanzplanung steht immerhin ein Leben ohne finanzielle Sorgen. Und das ist doch echt was ziemlich tolles.

 

Die wenigsten haben glattgebügelte Lebensläufe

Wer lange studiert, steigt erst relativ spät in den Beruf ein. Wer promoviert sogar noch später. Seit 2005 gilt: Wer nach 2009 in Rente geht, kann sich die Schul- und Hochschulausbildung nicht als Rentenjahre anrechnen lassen. Das heisst, diese Jahr steigern die spätere Rente nicht, sie verkürzen nur die Wartezeit. Insgesamt muss man nämlich 35 Jahr in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, bevor man einen Anspruch auf Rentenzahlung vom Staat hat.

Hinzu kommen Zeiten der Arbeitslosigkeit, Elternzeit, Schwangerschaft, halbe Stellen usw. Viele dieser „Lücken“ im Lebenslauf können dazu führen, dass Rentenjahre fehlen und die Zahlungen noch weiter schrumpfen.

 

Undurchsichtige Vorsorgeprodukte von Staat und Banken sorgen für Verwirrung

Klar kann man zusätzliche Vorsorgeprodukte und Sparpläne abschließen, aber auch Modelle wie die Riesterrente bringen oft nur wenig bis gar keine Rendite und wenn dann nur, wenn man steinalt wird. Zusätzlich sind sie auch noch ganz schön undurchsichtig und nur die wenigsten verstehen wirklich, was sie da eigentlich abschließen und wieviel Geld sie hinterher rausbekommen. Keine guten Voraussetzungen für eine ordentliche Geldanlage.

Auch Banken sind oft gar nicht so gute Ansprechpartner, wenn es um Geldanlagen geht. Klar, diese Dinge sind das täglich Brot vieler Bankberater und fachlich sind die meisten durchaus qualifiziert, gute Finanzprodukte für die individuelle Situation zu empfehlen.

 

Trotzdem muss klar sein, dass die Bank in erster Linie ihre eigenen Interessen vertritt und nicht unbedingt immer nur das Beste ihrer Kunden im Sinn hat. Auch der Bankberater muss bestimmte Quoten erfüllen, die von oben vorgegeben wurden. Für sie oder ihn steht auch das eigene Interesse an erster Stelle, und dann mit etwas Glück das der Kunden. Irgendwie ja auch durchaus menschlich und nachvollziehbar.

 

Für mich gilt bei Geldfragen inzwischen folgendes Credo: Um die eigene Geldanlage sollte sich jemand kümmern, der einzig und allein mein Bestes im Sinn hat. Da kommen in der Regel nicht allzu viele Leute in Frage. Unterm Strich ist man selbst die beste Adresse!

 

Das klingt ja alles ganz furchtbar! Was kann man denn da tun?

Zugegeben, das klingt alles ganz schön deprimierend und wer sich gänzlich allein auf Staat, Bank und den Notgroschen unterm Kopfkissen verlässt, der kann, wenns schlecht läuft, auch ordentlich auf die Nase fallen. Das heißt aber nicht, dass wir alle dem Schicksal hilflos ausgeliefert sind.

Altersvorsorge Sparen Wissenschaftler Hilfe Regenschirm

Klarheit schaffen

Jedes Problem wirkt schonmal deutlich kleiner, wenn wir es genau benennen können. Versuch doch mal dir folgende Fragen zu beantworten. Dazu wird ein bisschen Internetrecherche und vielleicht der ein oder andere Telefonanruf notwendig sein. Die ideale Beschäfitigung für einen verregneten Sonntagnachmittag:

  • Wieviele Rentenpunkte habe ich erwirtschaftet?
  • Wenn ich so weiter arbeite wie jetzt, wieviele Rente werde ich voraussichtlich bekommen, vom Staat und vom Arbeitgeber?
  • Wie groß wird die Lücke zu meinem letzten Gehalt sein?
  • Wieviel Geld möchte ich monatlich zur Verfügung haben, um gut davon leben zu können?
  • Wieviel müsste ich selbst ansparen um diesen Betrag aufbringen zu können, wenn ich 80, 90, 100 Jahre alt werde?
  • Wie sieht es mit Kosten für Pflege etc. aus?
  • In welchem Alter will ich überhaupt in Rente gehen?

 

Wenn man einmal Klarschiff gemacht hat und ungefähr weiß, worauf man sich einlässt ist es viel einfacher, die notwendigen Schritte einzuleiten um sich den Lebensabend zu ermöglichen, den man sich wünscht.

Selbst sparen, vorsorgen und investieren

Der zweite Schritt besteht darin, genug Kapital aufzubauen um diese Ziele zu erreichen. Du kannst ganz einfach selber ausrechnen, wieviel du dafür jeden Monat zur Seite legen musst. Dazu ein halbwegs einfaches Rechenbeispiel:

Du bist 35 Jahre alt und möchtest mit 63 in Rente gehen und jeden Monat 2000€ netto zur Verfügung haben. Du gehst davon aus, dass du 90 Jahre alt wirst. Das wären dann 27 Jahre oder 324 Monate die du überbrücken musst.

2000 €/Monat x 324 Monate = 972.000 €

Um diesen Betrag anzusparen, müsstest du jeden Monat ca. 620€ anlegen. In meinem Beispiel gehe ich von einer Anlage in breit gestreute Aktien-ETFs aus, die ca. 8% pro Jahr bringen, sofern der Anlagehorizont lang genug gewählt ist (Ganz genau kann das natürlich keiner vorhersagen, es kann natürlich besser oder schlechter laufen!).

Ich habe hier sogar ein bisschen aufgerundet, so dass du am Ende ganze 700.000 € auf der hohen Kante hättest!

 

Geldanlage und ETFs
Du hast keinen Plan, was denn bitteschön ein ETF ist? Dann möchte ich dir die Finanzblogs von madame moneypenny sowie dem Finanzwesir ans Herz legen. Bei beiden wird in einfachen Worten erklärt, dass Geldanlage keine Geheimwissenschaft ist, die nur von wenigen Auserwählten ausgeübt werden kann, sondern auch für Hinz und Kunz (also finanz-unversierte Normalos wie du und ich) absolut machbar ist.

Passives Einkommen aufbauen: Bücher, Podcasts, Videos, Blogs

620 € muss man natürlich erstmal jeden Monat übrig haben. Je nach Gehalt und Verpflichtungen ist das natürlich gar nicht so leicht. Ein weiterer, nicht ganz so einfacher Schritt, ist das erwirtschaften von passivem Einkommen. Gemeint ist damit Einkommen, für das du nicht jeden Tag schuften musst sondern das einfach so auf dein Konto fließt. Das heißt jetzt nicht, dass man dafür gar nichts tun muss, aber in der Regel hat man nur etwas Aufwand am Anfang und kann sich später zurücklehnen, während die monatlichen Zahlungen auf dem Konto eintrudeln. Beispiele für passives Einkommen können sein:

  • Dividenden von Unternehmensaktien
  • Mieteinnahmen aus Immobilien
  • Tantiemen aus Buchveröffentlichungen, Videokursen, Musikstücken o.ä.
  • Werbeeinnahmen durch Inhalte auf Blogs, Videoplattformen, Podcasts usw.
  • Verkauf von alten Sachen auf ebay usw…

Notgroschen ansparen

Die beste Vorsorgestrategie nützt wenig, wenn akut Not am Mann ist. Wenn das Auto streikt oder die Spülmaschine den Geist aufgibt, braucht man oft spontan größere Summen. Wer ernsthaft mit dem Sparen anfangen möchte, sollte deshalb am besten mit dem Notgroschen beginnen. Das heißt, du legst jeden Monat einen kleinen Betrag auf einem Tagesgeldkonto beiseite, bis du ca. 3 Monatsgehälter angespart hast. Diese dienen dir als Puffer für unvorhergesehene Ausgaben und Notfälle.

 

Ich hoffe ich konnte dir in diesem Artikel näherbringen, warum Altersvorsorge und Sparen so wichtig sind, aber dass es auch kein aussichtloses Unterfangen ist, sich selber abzusichern. Schreib mir doch, ob und wie du dich schon mit diesen Themen auseinandergesetzt hast. Ich freue mich über jede Meinung un jeden Ratschlag!

Einen kleinen Leitfaden, wie du dir Klarheit über deine Finanzen beschaffen kannst, findest du übrigens hier.

Wenn du wissen willst, wie sich die betriebliche Altersvorsorge im Öffentlichen Dienst zusammensetzt, hilft dir vielleicht der Beitrag über die Rentenmodelle der VBL.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.