Finanzielle Sicherheit für Wissenschaftler
Finanzielles

Finanzielle Sicherheit für Wissenschaftler – ein Leitfaden

Als Akademiker und Wissenschaftler ist es oft gar nicht so einfach, finanzielle Sicherheit oder sogar finanzielle Freiheit zu erreichen. Auf Staat und Arbeitgeber kann man sich oft nicht verlassen, weil die nötigen Einzahlungsjahre fehlen um überhaupt Ansprüche zu haben. Und selbst wenn, ist der Betrag oft sehr gering und geht mit großen Einbußen des Lebenstandards im Ruhestand einher.

Die genauen Gründe, warum auch Akademiker von Altersarmut bedroht sind, habe ich hier näher ausgeführt.

Wir sind also gezwungen uns selber um unsere finanzielle Sicherheit zu kümmern und das ist auch gut so. Denn so können wir deutlich mehr für uns herausholen als es mit Staat und Arbeitgeber oft möglich ist. Aber wo fängt man an?

 

Ich habe euch heute einen kleinen Leitfaden mit einem Drei-Schritte-Programm zusammengestellt, dem jeder folgen kann, der sich über Geld keinen Kopf mehr machen möchte. Es ist mit ein wenig Arbeit verbunden, aber danach werdet ihr euch super fühlen und richtig stolz auf euch sein. Versprochen!

 

P.S.: Dieser Leitfaden ist für jedermann geeignet: Studenten, Doktoranden, Berufseinsteiger und -fortgeschrittene. Eigentlich für jeden, der das Gefühl hat, sein Geld nicht 100% im Griff zu haben. Woran du das merkst? Ein typisches Symptom ist das Vermeiden des Blicks auf den Kontostand (Wie ich aus eigener, leidlicher Erfahrung weiß?)

Verschaffe dir einen Überblick über dein Geld

Verschaffe dir einen Überblick über deine Finanzen

Mach Kassensturz. Liste alle monatlichen Ausgaben auf. Wirklich alles. Dazu gehören auch kleine Abos, z.B. für Apps oder Streaming Dienste, die vielleicht auf den ersten Blick nicht so stark ins Gewicht fallen. Pass auf, dass du nichts vergisst und geh am besten nochmal die letzten Kontoauszüge durch.

 

Tracke deine Ausgaben: Wie oft gehst du Einkaufen? Was genau kaufst du und warum? Wieviel gibst du für Coffee to Go, Kantinenesse, Kosmetika, Amazon aus? Hast du deinen Konsum im Griff oder kaufst du viele Dinge, die du hinterher gar nicht brauchst?

 

Welche Einnahmen hast du nach Abzug aller Steuern und Versicherungen? Was bleibt übrig, wenn du alles gegenrechnest?

 

Hast du Ersparnisse, vielleicht in Form eines Bausparvertrages oder auf einem Tagesgeldkonto? Vielleicht gibt es Anlagen von denen du Nichts weißt, deshalb frage auch bei Eltern und Verwandten nach.

 

Hast du irgendwo Schulden oder steckst im Dispo vom Girokonto fest? Schreibe alles auf und ziehe es von deinem Guthaben ab. Keine Angst, falls du im Negativbereich landest. Das ist nicht schön, aber es ist auch kein Weltuntergang solange man sich damit auseinandersetzt und nicht die Augen davor verschließt.

 

 Ergebnis: Du weißt jetzt wieviel du jeden Monat ausgibst und wieviel davon übrig bleibt um zu investieren. 

 

Falls gar nichts übrig bleibt und du Null auf Null rauskommst, suche nach Einsparpotenzial. Ca. 50 € solltest du pro Monat auf die hohe Kante legen können.

 

Tipp: Wenn du Schwierigkeiten hast, weniger auszugeben, richte einen Dauerauftrag ein, der automatisch jeden Monat 50 € z.B. auf ein Tagesgeldkonto überweist. Grundsätzlich gilt: Bezahle immer zuerst dich selbst! Die Taktik, nur das zu sparen, was am Monatsende übrig bleibt, funktioniert eigentlich nie.

 

Bau dir ein sicherheitspolster auf

Baue dir ein Sicherheitspolster auf

Jeder Mensch sollte immer in der Lage sein, einen gewissen Betrag an schnell verfügbarem Geld für etwaige Notfälle in der Hinterhand zu haben. Es wäre naiv zu glauben, dass es einen selbst nicht trifft und auch schon kleine Unannehmlichkeiten können große Kosten nach sich ziehen.

Vielleicht geht das Auto kaputt oder die Waschmaschine. Auch Zeiten von Krankheit, Jobsuche, Arbeitslosigkeit können mit so einem Notgroschen überbrückt werden.

 

Grundsätzlich gilt: Mindestens 3 Monatsgehälter sollten liquide verfügbar sein. Mehr ist immer besser.

 

Natürlich kann die Summe je nach Lebenslage variieren. Haus- oder Wohnungsbesitzer sollten grundsätzlich mehr zur Verfügung haben um größere Schäden an ihrer Immobilie abpuffern zu können.

 

Daher die Faustregel: Wenn du noch kein Sicherheitspolster aufgebaut hast, fang so schnell wie möglich damit an. Auf jeden Fall hat der Notgroschen Priorität vor der ersten Investition in längerfristige, lang gebundene Anlagen.

 

Tipp: Ideal zum Ansparen deines Notgroschens sind Tagesgeldkonten.

Ab jetzt arbeitet dein Geld für dich

Ab jetzt kannst du dein Geld für dich arbeiten lassen!

Du hast jetzt einen Überblick über deine Ausgaben und Einnahmen und einen Puffer für Notfälle hast du auch. Das ist super und vielmehr als viele Menschen von sich behaupten können. Jetzt kannst du anfangen, ans Investieren zu denken.

 

Dafür solltest du dir überlegen, welche Ziele du mit deinen Investitionen konkret erreichen willst. Möchtest du mit 50 finanziell unabhängig sein, also deinen Lebensunterhalt komplett aus deinem Vermögen bestreiten können? Wieviel Geld bräuchtest du dafür jeden Monat zur Verfügung?

Oder willst du einfach mit 67 in Rente gehen und ein bequemes Leben führen? Welche Summe wäre dafür nötig?

 

Natürlich gibt es hier einige Variablen zu beachten, z.B. wie lange man lebt und wie sich das Gehalt mit der Zeit entwickelt (hoffentlich nach oben).

 

Bei mir selbst rechne ich immer eher konservativ, das heißt, ich rechne lieber mit 95 Jahren als mit 85 und mit einer geringen Gehaltsentwicklung. Lieber lasse ich mich später positiv überraschen als plötzlich im Regen zu stehen.

 

Tipp: Bei allen Berechnungen nicht die Inflation vergessen. Die setze ich immer mit ca. 2% p.a. an. Das ist natürlich auch nur eine Näherung.

 

Jetzt weißt du, was deine Ziele sind und wieviel Geld du dafür brauchst. Mit dem Sparrechner kannst du jetzt die Sparrate ausrechnen, die du dafür jeden Monat investieren müsstest.

 

Privatanlegern wird zurzeit sehr gerne empfohlen in ETFS anzulegen (passive, also nicht aktiv gemanagte Aktienfonds, mit sehr geringen Kosten). Ich bin auch Fan dieser Anlageart, denn sie ist sehr günstig, wenig zeitaufwendig und auch für Laien leicht zu verstehen. Was ETFs genau sind und warum sie so beliebt sind, erfährst du übrigens bei Zendepot.

 

Falls du dich ebenfalls für ETFs als Anlageform entscheidest, kannst du von einer Rendite von ca. 6% p.a. rechnen, vorausgesetzt du investierst 12 Jahre oder mehr. Das ist nämlich so ungefähr die Rendite die die letzten 100 Jahre in diesem Zeitraum erwirtschaftet wurde.

 

Wer also 12 Jahre oder mehr in ETFs investiert war, ist seit Beginn der Börsenaufzeichnungen immer mit einer positiven Rendite nach Hause gegangen so lange er weltweit diversifiziert und mindestens 12 Jahr investiert war! Trotzdem ist hier Vorsicht geboten, denn gerade an der Börse sollte man niemals von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen und eine Garantie gibt es grundsätzlich nie.

 

Aber wenn es keine Garantie auf Erfolg gibt, warum dann überhaupt das Risiko eines Verlustes eingehen?

 

Du kannst dein Geld in Aktien anlegen, mit dem Risiko eventuell Geld zu verlieren aber eben auch mit der Chance es zu vermehren. Wenn du es auf dem Girokonto liegen lässt, wird es auf jeden Fall weniger.

 

Grundätzlich gilt: Je länger du investieren kannst, desto besser und desto geringer die Gefahr eines Verlustes.

 

Ich werfe ja gerne mal das Motto: „Wer nichts macht, macht nichts falsch“ in die Runde, weil ich diese Lebensweise auch oft bei mir selber beobachte. Tatsache ist aber: Nichtstun schützt nicht vor Fehlern und auch sicherlich nicht vor Wertverlust von Barvermögen.

 

 

Rechenbeispiel

Hinweis: Dieses Beispiel ist natürlich bewusst sehr allgemein gehalten und nicht auf jede Lebensituation übertragbar. Eventuelle Rechenfehler könnt ihr mir gerne melden. Ich rechne grundsätzlich immer mit dem Zinseszinsrechner, setzte die Rendite vom MSCI World nach Inflation mit ca. 6% an und Steuern mit dem jährlichen Freibetrag von 801 € sowie 26,4%.

 

Du fängst mit 25 Jahren an zu sparen und schaffst es die nächsten 5 Jahre, jeden Monat 150 € in ETFs anzulegen. Diese erwirtschaften dir eine Rendite von ca. 6% nach Steuern und Inflation. Nach 5 Jahren hast du schon ganze  10.000  € angespart.

 

Mit 30 hast du einen etwas besser bezahlten Job und schaffst es sogar, 400 € jeden Monat zu sparen. Nach weiteren 10 Jahren hast du sogar schon  80.000  € an Vermögen erwirtschaftet!

 

Du bist jetzt 40 und hast noch ca. 27 Jahre bis du in Rente gehen möchtest. Inzwischen hast du auch Karriere gemacht und stockst deinen Sparbetrag monatlich um nochmal 200 € auf. D.h. du besparst deine ETFs ab jetzt jeden Monat mit 600 €.

 

Herzlichen Glückwunsch! Du hast bis zum Renteneintritt  640.000  € angespart, also über einer halben Million Euro. Und das ganze NACH Steuern und Inflation, die habe ich nämlich schon rausgerechnet.

 

Solltest du 95 Jahr alt werden, hast du jeden Monat eine Rente von ca. 1900 € ZUSÄTZLICH zu deiner staatlichen und betrieblichen Altersvorsorge.

 

Ich hoffe, das ist Anreiz genug, den Kopf aus dem Sand zu ziehen und anzufangen, sich im Dschungel der eignen Finanzen wieder zu orientieren.

viel erfolg und spass

 

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